ZE ZAHRANIČNÍHO TISKU: „Eine andere Richtung einschlagen“: Fünf Direktoren von Museen und Galerien im Bezirk Aussig abberufen

16.06.2017 00:00
Der Rat des Bezirks Aussig hat überraschend die Direktoren von fünf Institutionen abberufen: die Direktoren der Museen in Tetschen-Bodenbach und Komotau sowie der Galerien in Leitmeritz, Brüx und Laun. Bei den Museen zum 30. September, bei den Galerien zum 31. Dezember.
 
Die Pressesprecherin des Bezirks, Lucie Dosedělová, antwortet auf Anfragen knapp und pauschal: „Der Aussiger Bezirk will in diesem Segment der Kultur eine andere Richtung einschlagen, ähnlich wie bei weiteren Museen, die vom Berzirk verwaltet werden.“ Diese Formulierung zu erklären, hat sich bisher kaum jemand bemüht.
 
In einem Internet-Forum wird die Maßnahme scharf kritisiert: „Wußten die Ratsmitglieder, was sie da entscheiden? Ist es nicht ein Ergebnis des ultralinken Denkens der kommunistisch dominierten Bezirksverwaltung mit dem Hejtman Oldřich Bubeníček an der Spitze?
 
Den betroffenen Persönlichkeiten wird allgemein gute Arbeit bescheinigt. Dies sind der Direktor des Regionalmuseums Komotau, Stanislav Děd, Milan Rosenkranc vom Regionalmuseum Tetschen-Bodenbach, Jan Štíbr von der Nordböhmischen Galerie der bildenden Kunst in Leitmeritz, Petr Svoboda von der Galerie der bildenden Kunst in Brüx und die Direktorin der Galerie Benedikt Rieth in Laun, Alica Štefančíková.
 
Das Museum in Komotau mit einer Internetpräsentation mit deutscher und englischer Textversion ist für die grenzüberschreitende Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Vor einem Jahr wurde dort eine Konferenz über das Kulturerbe des Sudetenlandes veranstaltet, und die dort konzipierte Ausstellung über den Bauernbefreier Hans Kudlich wandert gerade durch Deutschland und Österreich.
 
Die Museumsexperten in Tetschen-Bodenbach haben unlängst eine Zweigstelle in Rumburg eröffnet, und das Museum hat auch eine bemerkenswerte Aktivität  im Bereich der Kinderpädagogik gestartet. Die Galerien zeigen seit Jahren interessante Ausstellungen. In Brüx wird durch die Galerie ein Teil der berühmten, wegen der Braunkohletagesaue verschobenen Kirche Mariä Himmelfahrt belebt. Ihre Situation langer erfolgreicher Tätigkeit und notwendiger planerischer Vorarbeit beschreibt auch ihr Kollege Václav Houfek, Direktor des Aussiger Museums. In diesem Bereich bestehe ein Mangel an geeigneten Persönlichkeiten, sagt er. Wichtig sei dabei die Kontinuität, für die voreiliges Handeln schädlich sei.
 
Die Erklärungen der Bezirkspolitiker stützen sich zumeist auf die Tatsache, daß die Museums- und Galerieleiter – mit Ausnahme von Stanislav Děd – bereits mehrere Jahrzehnte in ihrer Funktion sind. Dabei wird jedoch vergessen, daß die Museen in dieser Gegend nach 1989 sehr bescheiden anfangen mußten und der heutige Zustand das Ergebnis eines besonderen persönlichen Einsatzes ist. Gemunkelt wird auch, daß die Präsentation einer Tibet-Flagge in Komotau die kommunistische Führung des Bezirks geärgert habe, als der Staatspräsident in Prag seinen rotchinesischen Amtskollegen empfing. War es auch Stanislav Děds deutschfreundliche Einstellung?
 
Nun geht die Abwicklung schnell über die Bühne, für die Erhaltung ordentlicher Planung sicher zu schnell. Am 21. Juni wird anhand von eingegangenen Bewerbungen entschieden. Die Direktoren befürchten, daß ihre langfristig geplanten Projekte gefährdet würden. Auch die erfolgreiche Verwendung von EUMitteln gerate in Gefahr, da in diesem Bereich planerische Kontinuität ebenfalls wichtig sei. Die Erklärung, daß hier „eine andere Richtung“ eingeschlagen werden solle, erweist sich in Gesprächen mit Betroffenen als besonders inhaltsarm. Wie können in Institutionen, die Jahre für Planung und Vorbereitung von Aktionen brauchen, innerhalb weniger Wochen die Weichen gestellt werden? 
 
Jaroslav Šonka; titulní strana Sudetendeutsche Zeitung, 16. června 2017

—————

Zpět